
Statement des Vorstands des CSD Dresden e.V. zu den Schirmherr:innen 2025
Dresden, 07. Mai 2025
Im Rahmen des 32. Christopher Street Day in Dresden haben drei Akteure die Schirmherrschaft übernommen: Oberbürgermeister Dirk Hilbert, die Dresdner Verkehrsbetriebe – und das queere Mitarbeitendennetzwerk „Axel Springer Queerseite“ innerhalb des Medienunternehmens.
Wir sind uns bewusst, dass die letztgenannte Schirmherrschaft bei manchen Fragen aufwirft. Daher möchten wir an dieser Stelle noch einmal differenziert und transparent erläutern, warum wir diese Entscheidung getroffen haben und daran festhalten.
Die Schirmherrschaft wurde nicht einer einzelnen Marke von Axel Springer übertragen, sondern dem übergeordneten, queeren Dachnetzwerk „Axel Springer Queerseite“, das 700 offen queere Mitarbeitende umfasst und im gesamten Unternehmen agiert. Das Netzwerk wird seitens des Vorstandes und der Marken unterstützt, ist aber eine organisierte Initiative von Mitarbeitenden, die sich für Sichtbarkeit, Vielfalt und queere Rechte einsetzen, und im Medienunternehmen eigenständig agieren kann – eben auch mit dem Ziel im Unternehmen Veränderungen voranzutreiben.
Wir haben diese Schirmherrschaft bewusst gewählt:
- Queerseite steht für den Einsatz von und für queere Mitarbeitende bei Axel Springer – und genau solche Stimmen verdienen Aufmerksamkeit und Unterstützung – gerade jetzt.
- Das Netzwerk nutzt seine Sichtbarkeit, um queere Themen im unternehmensinternen wie öffentlichen Diskurs zu verankern und fördert aktiv Diversity-Projekte.
- Die Unterstützung von Queerseite verstehen wir daher nicht als unkritische Zustimmung zu einem Medienkonzern, sondern als bewusste Stärkung queerer Selbstorganisation innerhalb eines solchen Umfelds.
Die Schirmherrschaft wurde in unserer ordentlichen Mitgliederversammlung am 8. September 2024 vorgestellt und mit dem Protokoll an alle Mitglieder versandt. Zusätzlich wurde in mehreren Mailings zur Eröffnung des CSD ausdrücklich auf die Beteiligung von Queerseite hingewiesen. Auch unsere regelmäßigen öffentlichen Vorbereitungstreffen standen allen offen. Es war und ist dem Vorstand ein Anliegen, transparent zu agieren – und dies haben wir auch in diesem Fall getan.
Manche zuletzt geäußerte Kritik verkennt leider diese Differenzierung und die Transparenz. Weder wurde Axel Springer und Axel Springer Queerseite offiziell zu den Kritikpunkten angefragt, noch erfolgte eine Nachfrage bei uns. Auch das gehört für uns zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Kritik: eine faire und korrekte Wiedergabe der tatsächlichen Gegebenheiten.
Wir wissen: Kooperationen mit Akteuren in komplexen Strukturen – auch in der Medienwelt – sind keine einfache Entscheidung. Aber queere Sichtbarkeit endet nicht dort, wo Strukturen widersprüchlich oder konfliktbeladen sind. Im Gegenteil: Gerade dort braucht es mutige, engagierte Netzwerke. Mit „Axel Springer Queerseite“ haben wir eine Schirmherrschaft, die genau diese Herausforderung annimmt – und deren Engagement wir als CSD Dresden e.V. ausdrücklich würdigen, so wie wir es schon bei einigen Schirmherrschaften getan haben.
Wir stehen für eine respektvolle und offene Debattenkultur – und freuen uns, wenn Kritik den Weg des direkten Austauschs sucht.
Marc Dietzschkau
Pressesprecher CSD Dresden e.V.